Zwölf Kurstermine (dienstags 16:30 – 17:30 Uhr)
29.09. | 06.10. | 13.10. | 20.10.| 27.10. |03.11. | 10.11. | 17.11. | 24.11. | 01.12. | 08.12. | 15.12.2026
Kosten: 120-180€ (Selbsteinschätzung nach finanziellen Möglichkeiten)
Zum Nachholen verpasster Stunden werden Audios aufgenommen und bereitgestellt.
Auf die Beine kommen
Es grenzt an ein Wunder, einen ganzen Menschen balancieren zu können über den so kleinen Flächen der Fußsohlen. Die Evolution hat sich für diese anspruchsvolle Aufgabe rund 370 Millionen Jahre Zeit genommen*. Kinder kostet es meist acht bis fünfzehn Monate harte Arbeit** um sich aus ihrer anfänglichen Bodennähe das freie Stehen zu erobern. Einmal gelernt, braucht das „Auf die Beine kommen“ meist nur noch Sekunden. Aufstehen, hinlegen, ins Bett, auf die Matte, auf die Wiese, in den Sand, wieder hoch… Wir müssen keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Gut so! Danke Gewohnheit!***
Wir bemerken die Bewegung erst wieder, wenn sie nicht mehr reibungslos abläuft: durch Schmerzen, Schwindel, Verletzungen, Erkrankungen oder Kraftverlust im Älterwerden… Ist so eine Einschränkung dann endgültig? Oder doch veränderlich? Zumindest unsere Bewegungsgewohnheiten sind es! Und das, obwohl sie uns oft alternativlos vorkommen. Denn wir erinnern uns nicht an den Lernprozess, dessen Ergebnis sie sind. Wir konnten die Rahmenbedingungen für unsere frühkindlichen Bewegungsentwicklung nicht selbst beeinflussen – und somit auch nicht die Muster, die sich gebildet haben. Die Feldenkrais-Methode lädt uns zur „Nachreife“ auf den Boden ein. Dort können wir in einen Lernprozess eintauchen – dieses Mal selbstbestimmt und abseits vom Funktionierenmüssen des Alltags. Wir können Bewegungsmuster erkunden, von unnötigen Spannungen befreien und um neue Möglichkeiten erweitern.
So lohnt sich die Beschäftigung mit dem Aufstehen auch dann, wenn es im Alltag keine Probleme macht. Es lassen sich daran Bewegungsaspekte erforschen, die uns überall zugute kommen: Wie organisiert sich unser Gleichgewicht? Wie orientieren wir uns? Wie stützen wir uns am Boden?**** Wie können Hebelwirkungen im Skelett überflüssige Muskelspannung ersetzen? Was erlaubt eine mühelose Aufrichtung und was stört sie? Wie arbeiten Beuger und Strecker zusammen? Wie bereit sind all die Wirbel und Rippen zum Neigen und Drehen? Welche Rolle haben die Augen im Bewegungszusammenspiel?
Und was meinst du – wenn wir physisch leichter zum Boden und wieder auf die Beine kommen, könnte sich das auch auf anderen Ebenen auswirken? Im Selbstbild vielleicht? Im Resilienz-Werkzeugkasten? Im Kontakt mit bodennäheren Lebewesen? Im Lebensgefühl?
* Wenn wir bei den ersten Landwirbeltieren anfangen zu zählen. Wenn wir noch frühere Vorfahren mitdenken, kommen noch ein paar Jährchen drauf.
** Erst mal checken, wo oben und unten ist, was zu mir gehört und was nicht, den Boden überall mal gedrückt haben, die eigene Achse finden, herumrollen, drehen, dazu eine Wirbel-Inventur anlegen, den riesenschweren Kopf maovrieren lernen… don’t remember? Well, you did that!
*** Wäre ziemlich lästig, jedes Mal gut 200 Knochen und 400 Gelenke gedanklich zu sortieren.
****Ach ja, der Boden. Ein unbezahlbarer Verbündeter! Gut eingesetzt hilft er, erstaunliche Dinge zu tun:

Eben hat Moshé Feldenkrais seiner Schwester Malka beigebracht, Boden und Skelett gut zu nutzen.
Das hat er davon! … Wieder am Boden lässt er mit dessen Hilfe jemanden durch den Raum fliegen.
Na ja – sowas machen wir nicht im Kurs, wir fangen erst mal mit den Grundlagen an…

In einer Feldenkrais-Gruppenstunde in „Bewusstheit durch Bewegung“ werden die Teilnehmenden verbal durch Bewegungssequenzen geführt. Die Bewegungen werden – meist im Liegen oder Sitzen – langsam ausgeführt und von Spürfragen begleitet. Das ermöglicht es, die eigenen Bewegungsgewohnheiten kennenzulernen und um neue Möglichkeiten zu erweitern. Die Methode ist nach ihrem Begründer, dem Ingenieur und Judolehrer Moshé Feldenkrais benannt.






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